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Blickpunkt 15-08


Jesus antwortete und sprach zu ihr:
Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.

Johannes 4,13-14

Vor einiger Zeit habe ich mir einen Plattenspieler zugelegt. Ja, es gibt sie noch!! Zu- sammen haben meine Frau und ich dann an einem verregneten Sonntagnachmittag in nostalgischen Erinnerungen geschwelgt. Bis ich eine meiner Lieblingsplatten auflegte: Ich wusste es nicht mehr, aber diese Platte hatte einen Sprung! An einer Stelle blieb die Nadel des Plattenspielers „hängen“. Der Hörgenuss war mit einem Schlag dahin. Denn ich hörte immer nur dasselbe und dasselbe und dasselbe … Unser Leben gleicht oft so einer Platte mit Sprung: An einer oder mehreren Stellen bleiben wir hängen und es dreht sich immer um dasselbe. Ich habe diese Kratzer in meinem Leben und ich vermute, liebe Leserin und lieber Leser, Sie auch. Punkte, an denen es einfach nicht weitergeht. Etwas, was uns ausbremst, uns unangenehme Momente beschert und oft genug auch an unserer Glaubensbeziehung zweifeln lässt. Diese „wunden Punkte“ sehen bei jedem Menschen ganz anders aus: Es können Eigenschaften, Charakterzü- ge und Angewohnheiten sein, die wie eine Falle nur darauf warten, dass wir wieder einmal hineintappen. Egal, wie unterschiedlich unsere wunden Punkte auch aussehen mögen – eines haben wir gemeinsam: Wir möchten gerne darüber hinweg kommen. Oder sie zumindest verdrängen. So wie ich mich nicht mehr an den Sprung in meiner Lieblingsplatte erinnern konnte – aber plötzlich war er wieder da. Auch nach 20 Jahren im Schrank. Von allein geht der Sprung in der „Lebens-Platte“ nicht weg.

Jesus hatte eine faszinierende Begegnung mit einer Frau, in der es genau um diesen wunden Punkt im Leben geht. Und bevor Sie jetzt hier weiterlesen, holen Sie bitte Ihre Bibel und lesen Sie einmal den Text aus dem Johannesevangelium im 4. Kapitel, die Verse 5 bis 30 – ich warte hier solange auf Sie!

Willkommen zurück! Ist es nicht toll, wie Jesus mit dieser Frau umgeht? Er klagt sie nicht an, er haut ihr keine theologischen Richtigkeiten um die Ohren, er gibt ihr keinen „Rat-Schlag“, er verurteilt sie nicht und er scheucht sie auch nicht weg. Aber er legt den Finger, wenn auch liebevoll und rücksichtsvoll, auf ihren persönlichen wunden Punkt. Zunächst versucht die Frau davon abzulenken, in dem sie ein theologisches Scheinprob-lem zur Sprache bringt. Aber dann erkennt sie, dass in Jesus die Lösung für ihren wunden Punkt liegt. Er kann aus ihrer zerkratzten Lebensplatte eine kratzfreie CD machen; eine neue Qualität kommt in ihr Leben hinein!

Als Christ habe ich die Erfahrung gemacht, dass Jesus meine wunden Punkte heilen kann. Nicht auf Anhieb, es erfordert meistens viel Zeit und Geduld. Nicht alles auf ein- mal, manches ist auch einfach noch da und wartet darauf, „behandelt“ zu werden. Aber die Wirkung ist unverkennbar. Ich bin überzeugt, dass Jesus in jedem Menschen, egal wie fast unübersehbar klein oder gigantisch groß aus unserem Blickwinkel der wunde Punkt auch sein mag, Heilung bewirken kann. Deshalb ist mir Seelsorge, dass begleiten, ermutigen und trösten von Menschen, so wichtig in der Gemeindearbeit. Ich möchte von dem weitergeben, was ich selbst immer wieder erfahre: Gottes liebevolles „Zu- rechtbringen“. Dabei orientiere ich mich inhaltlich an den biblischen Lebensordnungen, die nicht einengen, sondern in die Freiheit und Weite führen. Dazu braucht es Zeit und intensive Begleitung. Wer sich auf diesen Prozess einlässt wird die Erfahrung machen, dass Gott sein Leben sinnerfüllt und zielführend gestalten möchte. Dazu ist meistens die Korrektur des eigenen Lebensstils nötig – wie bei der Frau am Jakobsbrunnen.

Ich wünsche mir für meinen Dienst in der Christusgemeinde, dass wir gemeinsam entdecken, wie genial gut und wohltuend Gott unser Leben gestalten, verändern und bereichern will. Damit wir Menschen werden, die nach seinem Willen leben, seine Nähe genießen und seine Gemeinde bereichern können. Dazu gehören gegenseitige Annahme, Respekt, geschwisterliche Liebe und Korrektur. Denn niemand ist perfekt, und wir alle brauchen die Gnade und Vergebung, die Gott uns
so gerne schenkt.

Ich freue mich auf unser Miteinander und bin gespannt,
wie wir gemeinsam Gemeinde gestalten werden!

 


von heg - erstellt am 25 Juli 2015

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