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Ansichten eines Eisenbahners


Ausgebessert oder ganz neu ?

Mein Beruf ist Lokführer, ich fahre für die Güterverkehrssparte, DB Schenker, Züge durch Bayern und Teile von Hessen. Mein Arbeitgeber stellt mir vorteilhafterweise dafür Lokomotiven zur Verfügung. Wenn ich zu Dienstbeginn mein Fahrzeug übernehme, dann habe ich dabei einige Dinge zu kontrollieren. Unter anderem gehört dazu ein kurzer Blick auf das Revisionsraster, das ist eine Anschrift, außen an der Lok, die Auskunft darüber gibt, wann die nächste Generalreparatur fällig ist.

In der Regel nach sechs Jahren, ist diese als Revision bezeichnete Maßnahme, fällig. Auf dem Bild wäre der nächste Termin 23.06.2005, wenn die Kilometer- Laufleistung nicht zu hoch ist, kann nach einer zusätzlichen Untersuchung, zweimal, jeweils ein Jahr verlängert werden (auf diesem Bild bis 2006)

Revisionen führen bei der DB besondere Werkstätten durch, die sogenannten Ausbesserungswerke (AW). Der Name „Ausbesserung“ deutet auf eine nur notdürftige Arbeitsweise hin, dem ist jedoch nicht so. Ich hatte zweimal die Gelegenheit, ein AW von innen zu besuchen. Beim ersten Mal konnte ich einen Blick hinter die Kulissen der E-Lok –Ausbesserung in München Freimann werfen. Es ist faszinierend, wie viele verschiedene Fachleute nötig sind, um eine Lokomotive wieder in einen technischen Neuzustand zu bringen. In der Motorwerkstatt konnte ich zusehen, wie elektrische Fahrmotoren instand gesetzt werden. Ganz anders als gedacht, besteht so ein Motor aus sehr vielen Einzelteilen, die hauptsächlich per Hand, penibel zusammengesetzt werden. Die Genauigkeit und hohe Qualität wird verständlich, wenn man weiß, was für hohe Beanspruchungen diese Motoren verkraften müssen.

In der Stadt Meiningen werden auch heute noch alte Dampflokomotiven komplett instand gesetzt. Dieses AW konnte ich vor einigen Jahren ebenfalls besuchen. Mit viel Präzision und handwerklichen Können werden dort alte Dampfrösser in (fast) Neuzustand versetzt. Beim Wiederaufbau der alten Schnauferl sind teilweise Maschinen im Einsatz, die weitaus älter sind, als die zu reparierenden Dampfloks.

Auch wir Menschen sind Erneuerungsbedürftig. Mit zunehmendem Alter macht sich selbst bei bester Pflege ein gewisser Verschleiß bemerkbar. Die Besuche beim Hausarzt, oder so manchem Facharzt werden häufiger. Hilfsmittel müssen her und das ausgleichen, was im Normalbetrieb nicht mehr reibungslos läuft. Und manchmal hilft nur noch, wenn möglich, der Austausch, wenn zum Beispiel das verschlissene Hüftgelenk künstlich ersetzt werden muss. Verfall wohin man schaut, äußerlich und auch (seelisch) innerlich.

Christen leben ebenfalls von Erneuerung, dabei handelt es sich um etwas Grundsätzliches. Es beginnt mit der Erkenntnis, dass man für eigene Schuld und Sünde, die Versöhnung durch Jesus Christus braucht. Denn er hat durch seinen Leidensweg ans Kreuz den Weg frei gemacht zum Vater. Und dabei hat er ganze Sache gemacht. Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe alles ist neu geworden (2. Kor.5,17). Nicht nur ein wenig, ein paar Sachen werden „ausgebessert“, nein aus Gottes Sicht sind wir in einem neuen Licht zu sehen, dank Christus. Wenn man getauft wird (zumindest als Erwachsener) dann ist das ein gutes anschauliches Bild: vorher, der alte Mensch, der dann beim Untertauchen sein altes Ich unter Wasser lässt, er ertrinkt gewissermaßen, dann, der Mensch, der dann wieder Auftaucht, ganz neu, ganz reingewaschen.

Manchmal werden Lokomotiven im AW komplett neu lackiert, meistens jedoch werden bloß einige Stellen, die repariert wurden, neu überlackiert. Hinter her sieht das wie Flickwerk aus. Als Christ fühle ich mich durchaus auch oft so, dass viele Teile meines Lebens nicht wirklich neu wirken, und ich bekomme so manche Dinge nicht auf die Reihe. Trotzdem sieht Gott mich durch die „Christusbrille“, d.h. ich bin, dank Jesus, trotzdem ganz neu. Er möchte mir aber auch helfen, mit Hilfe des Heiligen Geistes, mich so zu verändern, wie er sich das vorstellt.

Ist jemand in Christus…dann wird er auch erleben, was ganz am Ende der Zeiten passieren wird, wenn es in der Offenbarung heißt: Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe ich mache alles neu. (Off. 21,5a). Darauf dürfen wir uns freuen!

Markus Schmidt

 

 

 


von heg - erstellt am 03 Januar 2016

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